Interview mit HC Patrick Köpper – Rückblick Saison 2019

CC: Coach erstmalig ist es Dir und Deiner Mannschaft nicht gelungen das gesetzte Saisonziel (Playoffs) zu erreichen. Woran lag es und wie gehst Du damit um?
HC Köpper: Jeder der mich kennt, weiß, dass ich sehr ungern meine gesetzten Ziele nicht erreiche. Mir ist auch völlig klar, dass man am Ende nur nach Siegen bewertet wird. Ich möchte auch nicht das große „ABER“ anführen, allerdings ist es nicht immer ganz so einfach zu erklären. Selbstverständlich wollten wir die Playoffs erreichen, ich habe allerdings auch schon zu Beginn der Saison gesagt, dass die GFL Nord 2019 eine sehr harte Gruppe wird. Dadurch, dass Potsdam und Hildesheim durch ein gewaltig höheres Budget ihre Kader mit zahlreichen Importspielern aufgerüstet haben, kamen zwei weitere starke Konkurrenten zu den bestehenden Top Teams aus Braunschweig, Dresden und Berlin dazu.
Mir war klar, dass es darauf ankommen wird, wer die bessere Tagesform hat und vor allem, wer weniger Verletzte aufzuweisen hat. Leider hatten wir ein enormes Verletzungspech dieses Jahr.


CC: Kannst du bitte etwas mehr ins Detail gehen, da die Erwartungen in der Off-Season nach der Bekanntgabe, der vielen Neuzugänge doch recht hoch waren?
HC: Köpper: Wir haben in der letzten Off-Season über 30 neue Spieler dazugewonnen und versucht ins bestehende Team zu intergieren. Davon sicherlich einige direkte Verstärkungen, aber auch viele, die uns mehr Tiefe im Kader geben sollten. Die Integration ist uns auch bei einem Großteil der Spieler hervorragend gelungen, einige Spieler kamen aber, mit der für sie ungewohnten Rolle, des Ergänzungsspieler nicht zurecht, und haben leider frühzeitig hingeworfen. Eine GFL Saison ist verdammt lang und physisch unglaublich belastend, somit haben uns diese Spieler oft gefehlt, um die Lücken, die durch verletzte Spieler aufgetreten sind, adäquat zu schließen.
Unser Hauptproblem war aber sicherlich die permanent wechselnde Situation auf der Position des Quaterbacks und die gravierenden Verletzungen unser Importspieler, so dass unsere Offense nur schwer ins Rollen kam. Hinzu kam, dass wir grade am Anfang der Saison unglaublich dumme individuelle Fehler in den Special Teams gemacht haben. Diese Fehler haben uns definitiv sowohl in Braunschweig als auch in Hildesheim die Spiele gekostet.
Zur Quaterbacksituation ist folgendes zu sagen: Wir haben mit Jan Weinreich die Saison begonnen, der kurz vor unserem dritten Spiel mit der aufkommenden Konkurrenzsituation nicht klar kam und drei Tage vor unserem dritten Spiel das Team verließ.
Somit kam Tobias Jarmuzek zum Einsatz in Hildesheim. Tobias hat über die ganze Saison einen super Job gemacht. Er ist ein Teamspieler, wie er im Buche steht und ich bin ihm sehr dankbar für seinen Einsatz. Mit Conor Miller gingen wir dann in Spiel Nummer vier gegen die Monarchs aus Dresden. Wir hatten nur drei Trainingseinheiten um Conor in unser System zu bringen. Dies ist natürlich in den meisten Fällen nicht ausreichend, gerade wenn man gegen eine der besten Defensiven in Deutschland antreten muss. Dresden hat ihn permanent unter Druck gesetzt, mit der Gewissheit, dass er noch keine Abstimmung mit den Passempfängern haben konnte.
Nach den vier Auftaktniederlagen konnten wir drei Spiele in Folge gewinnen. Allerdings verloren wir im Spiel gegen die Düsseldorf Panther Colby Goodwyn, den bis dato Leading Rusher der GFL mit einer schweren Knieverletzung.
Somit erhöhten sich unsere eklatanten Verletzungen um eine weitere. Viliseni Fauonuku, der amerikanische Defense Liner verletze sich bereits direkt am Anfang des zweiten Saisonspiels gegen Braunschweig, genauso wie Moubarak Djeri. Andreas Klinge und Max Evenhuis, beides Starter, verletzten sich im dritten Spiel gegen Hildesheim so schwer, dass für beide die Saison zu Ende war.
Einige Spieler, die diese Lücken hätten füllen können, kamen wie oben schon erwähnt mit der Rolle des Backups nicht zurecht und hatten das Team bereits verlassen.
Ein weiterer gravierender Punkt für unser bescheidenes Abschneiden mit unserer Offensive bis dahin war sicherlich die nicht überzeugende Leistung unseres amerikanischen Passempfängers Jake Isabel.
Er konnte leider nicht die Erwartungen erfüllen, die wir aufgrund seiner Statistiken in der Vergangenheit hatten und wurde von den gegnerischen Defensiven auch nicht so als Passempfänger respektiert, wie wir es uns erhofft hatten. Dadurch wurde es grade nach der Verletzung von Colby schwierig unser Laufspiel zu etablieren, da die Gegner uns einfach die Box vollgestellt haben. Die durch Verletzungen ständig wechselnde Zusammenstellung der Offense Line trug ihr Übriges dazu bei.
Uns war klar, dass wir aktiv werden mussten und einen dominanteren Wide Receiver rekrutieren mussten.
Den Wechsel wäre schon viel früher vollzogen worden, hätten wir nicht ständig weitere Verletzungen kompensieren müssen. Im Rückspiel gegen Kiel verletzte sich Conor Miller im ersten Quater so schwer, dass auch er die Saison nicht mehr zu Ende spielen konnte., somit musste wieder Tobias Jarmuzek übernehmen.
Mit ihm gingen wir auch ins Spiel gegen Dresden bevor in der Woche vor dem letzten Spiel vor der Sommerpause nun der vierte Quaterback der Saison zu uns stieß. Jarred Evans landete am Montag und verletzte sich am Mittwoch beim ersten Mannschaftstraining am Sprunggelenk. Trotz Schmerzen spielte er gegen die Rebels. Aber auch hier fehlte die Abstimmung mit den Passempfängern, somit mussten wir leider die sechste Niederlage der Spielzeit hinnehmen.
In der kurzen Sommerpause konnten wir endlich reagieren und mit Aaron Jackson einen Wide Receiver mit dem gewünschten Durchsetzungsvermögen gegen Jake Isabel austauschen.
Aaron, Jarred und die anderen Passempfänger fanden in der Pause zusammen und von den letzten fünf Spielen konnten wir vier gewinnen. Aaron spielte überragend, fing viele Pässe und erzielte eine Menge Touchdowns. Er war genau der Spieler, den wir gebraucht hatten. Unser Passspiel musste respektiert werden und öffnete dadurch auch Lücken für unsere nicht-amerikanischen Running Backs Dean Tanwani, Carmelo Insalaco und Andre Frisch, die sich das Erbe von Colby Goodwyn hervorragend teilten. Leider hatten wir eine total verkorkste zweite Halbzeit gegen die Berlin Rebels in Berlin, in der wir eine 14:3 Führung fahrlässig aus den Händen gaben. Dies war die einzige Niederlage aus den letzten fünf Spielen, die uns am Ende leider die Playoff Teilnahme gekostet hat. Wir konnten aber sowohl zweimal Potsdam, als auch den damaligen Tabellenzweiten Hildesheim, zu Hause souverän schlagen.

CC: Das war jetzt sehr detailliert. Wie ist es Dir gelungen bei all den Verletzungen und Rückschlägen, das Team fokussiert und motiviert zu halten?
HC Köpper: Es war definitiv eine der schwersten aber auch lehrreichsten Spielzeiten, die ich als Coach durchlebt habe. Es hat mir mal wieder vor Augen geführt, dass man als Coach immer weiter dazulernt und vor Situationen gesetzt wird, für die es keinen vorgegebenen Lösungsweg gibt. Wir haben einiges in der Trainingsstruktur geändert um die Schwachstellen der Mannschaft zu bearbeiten. Grade in den schwierigen Zeiten haben wir versucht die Intensität im Training zu steigern. Wir haben die Spieler individuell angesprochen und versucht Zwischenziele zu setzten, die wieder neue Motivation hervorrufen. Dies funktioniert aber nur mit einer guten Coachescrew, die ihre Positionen betreuen, die Spieler immer wieder neu motivieren und zu besseren Footballspielern machen. Allerdings braucht es dafür auch Spieler mit der richtigen Einstellung. Die Jungs haben eine unglaubliche Moral gezeigt und grade im Hinblick auf die vielen Neuzugänge nicht selbstverständlich, immer wieder die neue Herausforderung angenommen und versucht das Bestmögliche umzusetzen. Wir haben grade zum Ende der Saison einen hervorragenden Teamzusammenhalt verspürt und wichtige Siege dadurch erzielen können.


CC: Also siehst du die Saison gar nicht so negativ?
HC Köpper: Nein, sehe ich nicht. Wir haben nach einem 0 zu 4 Start, sieben der letzten 10 Spiele gewonnen und mit einer ausgeglichenen Bilanz die Saison beendet. Unsere Defense gehörte zu den Besten in Deutschland mit Rang 4 der Total Defense, Rang 3 bei der Pass Defense. Unsere Offense wurde zum Ende hin, nach all den Verletzungen immer durchschlagskräftiger. Wir haben ein solides Fundament an herausragenden deutschen Spielern, die eine unglaubliche Moral gezeigt haben. Darauf lässt sich für das nächste Jahr gut aufbauen.
Wir müssen aber auch einige Realitäten erkennen. Alle Top Teams spielen mit viel mehr Importspielern als wir. Ich rede nicht über die zwei „A Spots“ auf beiden Seiten des Balles, aber über Dual Passports und bezahlte europäische Spieler. Es ist keine Seltenheit, das unsere Gegner mit 8-9 Importspielern in Offense und Defense auflaufen. Unsere Trainingsbedingungen sind gelinde gesagt eine Katastrophe. Wir müssen als Bundesligist auf einem Rasen trainieren, der von der Stadt Köln weder gepflegt, geschweige denn gewässert wird. Zur Mitte einer Saison, ist der Platz eine sandige Betonwüste, die uns auch dieses Jahr wieder einige Verletze gekostet hat.
Wir treten gegen Teams an, die ein viel höheres Budget haben als wir selbst. Hildesheim und Potsdam haben enorm aufgerüstet und trotzdem haben wir beide schlagen können, Potsdam sogar zweimal. Ich glaube wir haben gute Schritte gemacht und nochmal Einiges erkannt, was wir für nächstes Jahr verbessern müssen. Aber unser Weg mit Talenten aus dem eigenen Verein, aus NRW und Umgebung ein „Powerhouse NRW“ aufzubauen, welches mit den großen „Budget-Teams“ konkurrieren kann, werden wir weiter verfolgen und ausbauen.
Wir werden unsere Coaches Crew erweitern und verbessern. Wir werden zeitnah einen Termin mit der Stadt Köln haben um unsere Trainingsbedingungen gravierend zu verbessern. Wir haben mit den erfolgreichen Importspielern der diesjährigen Saison schon sehr gute Gespräche über das kommende Jahr geführt. Wir hoffen unseren bestehenden Kader größtenteils halten zu können und nochmals in der Offs-Season zu verstärken. Wir wissen an welchen Schrauben wir drehen müssen um im nächsten Jahr weiter oben angreifen zu können.

CC: Das freut uns zu hören, also müssen wir uns um Deine Motivation keine Sorgen machen?
HC Köpper: Nein, da braucht niemand Sorge haben. Ich brenne darauf die Schritte zu gehen, die jetzt anstehen. Ich freue mich mit meinen Coaches an den Systemen und am Kader fürs nächste Jahr zu arbeiten und mit dem Vorstand gemeinsam infrastrukturelle und organisatorische Dinge voranzutreiben um die Cologne Crocodiles zeitnah zu einem absoluten Top Team in Deutschland zu machen.

CC: Coach Köpper, wir danken Dir für Deine Zeit und Deine offenen Worte und freuen uns auf die Saison 2020!

Bildmaterial: Thomas H. Bershet

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